HbA1c: Werte, Tabelle und Bedeutung
Von Martin Höllinger· Stand · Lesezeit 8 Minuten
Der HbA1c-Wert gibt an, welcher Anteil des roten Blutfarbstoffs mit Zucker verbunden ist. Er spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen zwei bis drei Monate und heißt deshalb Blutzuckergedächtnis. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft zieht zwei Grenzen: Ab 6,5 Prozent, das sind 48 mmol/mol, liegt ein Diabetes vor, wenn der Wert an zwei Tagen gemessen wurde. Zwischen 5,7 und 6,4 Prozent besteht ein erhöhtes Diabetesrisiko.
Das Risiko beginnt nicht erst an diesen Grenzen. In einer Studie mit 11.092 Erwachsenen ohne Diabetes war die Wahrscheinlichkeit, später zu erkranken, bei 5,5 bis unter 6,0 Prozent fast doppelt so hoch wie bei 5,0 bis unter 5,5 Prozent und bei 6,0 bis unter 6,5 Prozent viereinhalbmal so hoch. Der Wert hat aber Schwächen: Eisenmangel hebt ihn, eine verkürzte Lebensdauer der roten Blutkörperchen senkt ihn, ohne dass sich am Blutzucker etwas geändert hat.
Was der Wert misst
Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff. Zucker im Blut bindet sich daran, und diese Bindung lässt sich nicht mehr lösen. Je höher der Blutzucker über längere Zeit war, desto größer ist der verzuckerte Anteil. Das österreichische Gesundheitsportal gibt an, dass der HbA1c den Blutzucker der vorangegangenen vier bis sechs Wochen widerspiegelt. Die US-Gesundheitsinstitute nennen als Zeitraum die vergangenen drei Monate. Beide Angaben passen zusammen: Der Wert bildet rund drei Monate ab, die letzten Wochen fallen dabei stärker ins Gewicht. Weil rote Blutkörperchen im Durchschnitt 120 Tage leben, sinkt der Wert erst, wenn der Blutzucker niedriger ist und neue Zellen nachgebildet wurden.
Angegeben wird er in zwei Einheiten: in Prozent des gesamten Hämoglobins und in Millimol pro Mol.
Tabelle: Prozent, mmol/mol und Einordnung
| HbA1c in % | mmol/mol | Einordnung |
|---|---|---|
| 4,0 | 20 | Untergrenze des Referenzbereichs |
| 5,0 | 31 | unauffällig |
| 5,5 | 37 | unauffällig |
| 5,7 | 39 | Beginn des erhöhten Diabetesrisikos |
| 6,0 | 42 | erhöhtes Diabetesrisiko |
| 6,4 | 46 | erhöhtes Diabetesrisiko |
| 6,5 | 48 | Diabetes, wenn an zwei Tagen gemessen |
| 7,0 | 53 | Diabetes |
| 8,0 | 64 | Diabetes |
| 9,0 | 75 | Diabetes |
| 10,0 | 86 | Diabetes |
Die Einordnung folgt der Leitlinie der Österreichischen Diabetes Gesellschaft von 2023. Die mmol/mol-Werte ergeben sich aus der Umrechnung: Prozentwert minus 2,15, mal 10,929.
Die Leitlinie begründet die Grenze von 6,5 Prozent mit der Netzhaut: Oberhalb davon nimmt das Risiko für diabetische Schäden am Auge zu. Für andere Folgeschäden an kleinen und großen Gefäßen sind vergleichbare Schwellen nicht etabliert. Zwischen 5,7 und 6,4 Prozent empfiehlt sie, mit Nüchternblutzucker und Zuckerbelastungstest weiter abzuklären.
Die Diagnose Diabetes braucht zwei Messungen an verschiedenen Tagen oder zwei verschiedene auffällige Tests.
Risiko schon unterhalb der Diabetesgrenze
Selvin et al., New England Journal of Medicine 2010, haben den HbA1c bei 11.092 Erwachsenen ohne Diabetes und ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung gemessen und die Teilnehmer über Jahre verfolgt.
| HbA1c | Risiko für späteren Diabetes | Risiko für koronare Herzkrankheit |
|---|---|---|
| unter 5,0 % | 0,52-fach | 0,96-fach |
| 5,0 bis unter 5,5 % | Vergleichsgruppe | Vergleichsgruppe |
| 5,5 bis unter 6,0 % | 1,86-fach | 1,23-fach |
| 6,0 bis unter 6,5 % | 4,48-fach | 1,78-fach |
| ab 6,5 % | 16,47-fach | 1,95-fach |
Die Zusammenhänge blieben bestehen, wenn der Nüchternblutzucker berücksichtigt wurde. Umgekehrt sagte der Nüchternblutzucker Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht mehr vorher, sobald der HbA1c einberechnet war.
Eine europäisch-amerikanische Auswertung von sechs Kohorten mit 28.681 Menschen ab 50 ohne Diabetes bestätigt das Bild und dämpft die Zahlen (Schöttker et al., BMC Medicine 2016). Der Zusammenhang mit Herzinfarkt und Schlaganfall verlief linear. Nach Berücksichtigung der anderen Risikofaktoren lag das Risiko bei 6,0 bis unter 6,5 Prozent um 19 Prozent höher als bei 5,0 bis unter 5,5 Prozent, die Gesamtsterblichkeit um 14 Prozent. Die übrigen Risikofaktoren erklärten etwa die Hälfte des Unterschieds.
Sind sehr niedrige Werte ein Problem?
In der Studie von Selvin zeigte sich für die Sterblichkeit eine J-förmige Kurve: Auch bei sehr niedrigem HbA1c war sie erhöht. Die Auswertung der sechs Kohorten hat das nachgeprüft. Die Ergebnisse für Werte unter 5,0 Prozent waren zwischen den Kohorten uneinheitlich und zusammengenommen statistisch nicht gesichert. In der Kohorte mit der deutlichsten J-Kurve verschwand der Zusammenhang, nachdem unter anderem Alkoholkonsum, BMI, Zeichen einer Eisenmangel-Anämie und Leberwerte berücksichtigt waren.
Ein niedriger HbA1c ist danach kein eigenes Risiko, kann aber ein Hinweis auf etwas anderes sein, etwa eine Erkrankung, die die roten Blutkörperchen verändert.
Was den Wert verfälscht
Der HbA1c ist eine indirekte Messung. Die österreichische Leitlinie nennt Umstände, unter denen er zur Diagnose nicht verwendet werden soll:
- Veränderungen des Hämoglobins: angeborene Varianten, Veränderungen bei Nierenversagen oder durch hoch dosierte Acetylsalicylsäure.
- Längere Lebensdauer der roten Blutkörperchen: Eisenmangel-Anämie und Vitamin-B12-Mangel-Anämie erhöhen den HbA1c. Die Leitlinie führt hier auch die Niereninsuffizienz an.
- Kürzere Lebensdauer: hämolytische Anämien und chronische Lebererkrankungen senken ihn.
- Gehemmte Verzuckerung: Dauertherapie mit Vitamin C oder Vitamin E.
- Schwangerschaft: zweites und drittes Drittel.
Nierenerkrankungen haben keine einheitliche Richtung. Das amerikanische Standardisierungsprogramm für den HbA1c (NGSP) nennt mehrere Einflüsse, die sich überlagern: verändertes Hämoglobin bei Nierenversagen, das je nach Messmethode stört, dazu die Blutarmut der Nierenkranken und die Behandlung mit Erythropoetin. Bei Dialysepatienten mit Diabetes unterschätzt der HbA1c nach den dort zitierten Berichten die Blutzuckerlage. Als robusteren Marker nennen diese Berichte das glykierte Albumin.
- Alter: Bei gleichem Blutzucker nimmt der HbA1c mit dem Alter zu.
Der Punkt mit Vitamin C und E betrifft Menschen, die diese Vitamine dauerhaft als Nahrungsergänzung nehmen: Der Wert kann dann niedriger ausfallen, als es dem Blutzucker entspricht.
Studienlage
| Ergebnis | Wer und wie viele | Vergleich | Dauer | Gemessen | Studientyp | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Diabetes ab 6,5 % (48 mmol/mol), erhöhtes Risiko ab 5,7 % (39 mmol/mol) | Empfehlung für Diagnose und Screening in Risikogruppen | entfällt | entfällt | Diagnosegrenzen, nicht Therapieziele | Leitlinie der Österreichischen Diabetes Gesellschaft | Harreiter und Roden 2023 |
| Gegenüber 5,0 bis unter 5,5 %: Diabetes 1,86 (1,67 bis 2,08) bei 5,5 bis unter 6,0 % und 4,48 (3,92 bis 5,13) bei 6,0 bis unter 6,5 %; koronare Herzkrankheit 1,23 (1,07 bis 1,41) und 1,78 (1,48 bis 2,15) | 11.092 Erwachsene ohne Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankung, USA | Stufen des HbA1c, keine Zuteilung | Nachbeobachtung seit 1990 bis 1992 | Neu diagnostizierter Diabetes, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Tod | Beobachtung, Kohorte | Selvin et al. 2010 |
| Bei 6,0 bis unter 6,5 % nach Berücksichtigung der Risikofaktoren: Herzinfarkt oder Schlaganfall 1,19 (1,04 bis 1,37), Gesamtsterblichkeit 1,14 (1,03 bis 1,27). Die Risikofaktoren erklärten rund die Hälfte des Zusammenhangs | 28.681 Erwachsene ab 50 ohne Diabetes aus sechs Kohorten in Europa und den USA; 6.769 Todesfälle | Stufen des HbA1c gegen 5,0 bis unter 5,5 %, keine Zuteilung | 10,7 Jahre (Mittel) | Tod, Herz-Kreislauf-Tod, erster Herzinfarkt oder Schlaganfall | Metaanalyse von Einzeldaten aus Kohorten | Schöttker et al. 2016 |
| Sehr niedrige Werte unter 5,0 %: Ergebnisse der sechs Kohorten uneinheitlich, nach Berücksichtigung von Störgrößen kein gesichertes Risiko | dieselben 28.681 Personen | unter 5,0 % gegen 5,0 bis unter 5,5 % | 10,7 Jahre (Mittel) | Tod und Herz-Kreislauf-Ereignisse | Metaanalyse von Einzeldaten aus Kohorten | Schöttker et al. 2016 |
| Blutarmut, veränderter Umsatz der roten Blutkörperchen und Hämoglobinvarianten verfälschen den Wert; bei Nierenerkrankung in beide Richtungen | keine eigenen Teilnehmer | Zusammenschau veröffentlichter Befunde | entfällt | Störgrößen der Messung | Übersichtsarbeit, Leitlinie und Fachinformation | Radin 2014; Harreiter und Roden 2023; NGSP |
In Klammern steht, wo angegeben, das 95-%-Konfidenzintervall.
Österreich
Screening: Die Österreichische Diabetes Gesellschaft empfiehlt ein Screening für alle ab 35 Jahren, bei unauffälligem Ergebnis alle drei Jahre, bei bekanntem Prädiabetes jährlich.
Kasse und Kosten: Die kostenlose Gesundenuntersuchung misst den Nüchternblutzucker, nicht den HbA1c. Als Privatleistung kostet er laut Preisliste eines österreichischen Labors 21,60 Euro, dazu 12,60 Euro für die Blutabnahme (Stand Jänner 2026, inklusive 10 % Mehrwertsteuer).
Referenzbereich: Das Gesundheitsportal des Bundes nennt 4 bis 6 Prozent für Männer und Frauen jeden Alters.
Häufige Fragen
Welcher HbA1c-Wert ist normal?
Das österreichische Gesundheitsportal nennt als Referenzbereich 4 bis 6 Prozent. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft sieht ab 5,7 Prozent (39 mmol/mol) ein erhöhtes Diabetesrisiko und empfiehlt dann eine Abklärung mit Nüchternblutzucker und Zuckerbelastungstest.
Welcher HbA1c-Wert ist gefährlich?
Ab 6,5 Prozent (48 mmol/mol), an zwei Tagen gemessen, gilt die Diagnose Diabetes. Die Grenze beruht darauf, dass oberhalb davon das Risiko für Schäden an der Netzhaut zunimmt. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt schon darunter schrittweise an. Die Diagnosegrenze ist kein Maß für eine akute Gefahr: Die zeigt sich am aktuellen Blutzucker und an Beschwerden wie starkem Durst, häufigem Harndrang oder Benommenheit, nicht am HbA1c. Welcher Zielwert bei bestehendem Diabetes gilt, wird individuell festgelegt.
Wie rechnet man HbA1c von Prozent in mmol/mol um?
Vom Prozentwert 2,15 abziehen und das Ergebnis mit 10,929 multiplizieren. 5,7 Prozent ergeben 39 mmol/mol, 6,5 Prozent 48 mmol/mol, 7,0 Prozent 53 mmol/mol.
Was verfälscht den HbA1c-Wert?
Nach der österreichischen Leitlinie erhöhen Eisenmangel-Anämie und Vitamin-B12-Mangel-Anämie den Wert, weil die roten Blutkörperchen länger leben. Hämolytische Anämien und chronische Lebererkrankungen senken ihn. Bei Nierenerkrankungen kann er in beide Richtungen abweichen: Die Leitlinie nennt eine Erhöhung, bei Dialysepatienten wird die Blutzuckerlage dagegen eher unterschätzt. Auch eine Dauereinnahme von Vitamin C oder E, eine Schwangerschaft im zweiten und dritten Drittel und angeborene Veränderungen des Hämoglobins machen den Wert unzuverlässig.
Wie oft sollte man den HbA1c messen lassen?
Die Leitlinie empfiehlt ein Diabetes-Screening für alle ab 35 Jahren und bei unauffälligem Ergebnis eine Wiederholung alle drei Jahre. Bei bekanntem Prädiabetes soll jährlich kontrolliert werden. Bei Risikofaktoren wie Übergewicht mit weiteren Belastungen beginnt das Screening früher.
Ist der HbA1c bei der Gesundenuntersuchung dabei?
Nein. Die Vorsorgeuntersuchung enthält den Nüchternblutzucker. Als Privatleistung kostet der HbA1c laut Preisliste eines österreichischen Labors 21,60 Euro inklusive Mehrwertsteuer, dazu die Blutabnahme.
Kann man den HbA1c senken?
Der Wert sinkt erst, wenn der Blutzucker niedriger ist und neue rote Blutkörperchen gebildet wurden. Die Zellen leben im Schnitt 120 Tage. Eine Veränderung von Ernährung oder Bewegung zeigt sich deshalb erst nach Wochen.
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