Zone-2-Training: Puls, Wirkung und Wochenplan
Von Martin Höllinger· Stand · Lesezeit 8 Minuten
Zone 2 ist lockeres Ausdauertraining, bei dem man noch in ganzen Sätzen sprechen kann. Ein Gremium von 14 Sportwissenschaftlern und Trainern hat es 2025 so definiert: eine Intensität unmittelbar unter der ersten Laktat- oder Atemschwelle. Diese Schwelle lässt sich mit einer Pulsformel schlecht treffen. In einer Studie mit 100 Erwachsenen lag sie je nach Person zwischen 60 und 90 Prozent der maximalen Herzfrequenz.
Dass Zone 2 die beste Intensität für Mitochondrien und Fettstoffwechsel sei, stützt die Studienlage nicht. Eine Übersichtsarbeit von 2025 kommt zum Schluss, dass die Empfehlung aus Beobachtungen an Spitzenausdauersportlern stammt, die sehr große Umfänge trainieren, und dass bei wenig Trainingszeit höhere Intensitäten mehr bringen. Für die Gesundheit zählt zuerst die Menge: 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche.
Was Zone 2 ist
Der Begriff kommt aus Modellen, die das Ausdauertraining in Zonen einteilen. Lange gab es dafür keine einheitliche Definition. Sitko et al., International Journal of Sports Physiology and Performance 2025, haben 14 Sportwissenschaftler und Trainer befragt. Ihr Konsens: Zone 2 liegt unmittelbar unter der ersten Laktat- oder Atemschwelle.
Die Nummer allein führt in die Irre, weil es mehrere Zonenmodelle gibt. Gemeint ist hier die zweite Zone eines Modells mit fünf Stufen. In Modellen mit drei Stufen bezeichnet Zone 2 den Bereich zwischen den beiden Schwellen, also eine höhere Intensität. Maßgeblich ist deshalb die Schwelle, nicht die Ziffer, und sie liegt bei jedem Menschen bei einem anderen Tempo und Puls.
Die Einheit muss nicht gleichmäßig sein. Die Experten nennen Dauerbelastung, wechselndes Tempo und Intervalle als gleichwertige Formen. Die erwarteten Anpassungen betreffen Herz, Kreislauf und Muskulatur. Die Experten halten zugleich fest, dass diese Anpassungen nicht nur in Zone 2 entstehen, sondern auch bei etwas niedrigerer oder höherer Intensität.
Den Bereich finden
Sprechtest
Die einfachste Methode braucht kein Gerät. Nach Reed et al. ist bequemes Sprechen bei Gesunden und bei Herzpatienten wahrscheinlich möglich, solange die Intensität unter der Atem- oder Laktatschwelle liegt, und wahrscheinlich nicht mehr möglich, wenn sie darüber liegt. Der Test ist bei Gehen, Laufen, Radfahren, Crosstrainer und Stepper gleich brauchbar. Für hochintensive Intervalle eignet er sich nicht.
Für Zone 2 heißt das: so schnell, dass ganze Sätze gerade noch bequem gehen.
Puls
Viele Anleitungen nennen einen festen Prozentsatz der maximalen Herzfrequenz. Dabei stecken zwei Schätzungen ineinander.
Die erste ist der Maximalpuls. Tanaka et al., Journal of the American College of Cardiology 2001, haben aus 351 Studien mit 18.712 Personen die Formel 208 minus 0,7 mal Lebensalter abgeleitet und im Labor an 514 Gesunden bestätigt. Die ältere Formel 220 minus Lebensalter unterschätzt den Maximalpuls älterer Menschen.
Die zweite ist die Lage der Schwelle. Iannetta et al., Medicine and Science in Sports and Exercise 2020, haben sie bei 100 Erwachsenen im Labor bestimmt. Die Laktatschwelle lag zwischen 60 und 90 Prozent des gemessenen Maximalpulses, bei Frauen im Schnitt höher als bei Männern. Die Autoren schließen, dass feste Prozentwerte den Stoffwechselreiz nicht verlässlich steuern.
| Alter | Geschätzter Maximalpuls | 60 % | 90 % |
|---|---|---|---|
| 30 | 187 | 112 | 168 |
| 40 | 180 | 108 | 162 |
| 50 | 173 | 104 | 156 |
| 60 | 166 | 100 | 149 |
| 70 | 159 | 95 | 143 |
Die Tabelle zeigt, wie breit das Fenster ist, in dem die Schwelle einer 40-jährigen Person liegen kann: irgendwo zwischen 108 und 162 Schlägen. Eine Uhr, die Zone 2 aus dem Alter berechnet, kann deshalb deutlich danebenliegen. Wer es genau wissen will, braucht eine Leistungsdiagnostik mit Laktat- oder Atemgasmessung. Für alle anderen ist der Sprechtest die bessere Richtschnur als die Zahl am Handgelenk.
Was die Studien sagen
Der Ruf von Zone 2 als bestem Training für die Mitochondrien wird in der Fachliteratur bestritten. Storoschuk et al., Sports Medicine 2025, haben die Belege geprüft und halten fest:
- Die Empfehlung beruht großteils auf Beobachtungen an Spitzenausdauersportlern. Diese trainieren sehr viel in Zone 2 und haben eine hohe mitochondriale Kapazität. Daraus folgt nicht, dass das eine die Ursache des anderen ist.
- Die Studienlage stützt nicht, dass Zone 2 die optimale Intensität für die Mitochondrien oder die Fettoxidation ist.
- Für die Gesundheit von Herz und Stoffwechsel ist es wichtig, auch intensiver zu trainieren, vor allem wenn wenig Zeit zur Verfügung steht.
Das ist kein Urteil gegen lockeres Training. Bei Ausdauersportlern schnitt eine polarisierte Verteilung, also viel lockeres Training und ein kleiner Anteil sehr intensives, in einer Metaanalyse von drei kontrollierten Studien im Zeitfahren besser ab als ein Training überwiegend an der Schwelle. Lockere Einheiten sind in diesem Modell das Mittel, um viele Stunden zu sammeln, ohne sich zu überlasten.
Für Menschen, die drei Stunden pro Woche trainieren, lautet die Folgerung anders als für jene mit zehn: Wer die VO2max steigern will und wenig Zeit hat, kommt mit einem Anteil intensiver Einheiten weiter. Das macht lockere Bewegung nicht zur schlechteren Wahl: Ob jemand dabeibleibt, sich gut erholt und Freude daran hat, entscheidet auf Dauer mehr als die Verteilung der Zonen.
Wie viel pro Woche
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen pro Woche 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive Ausdauerbewegung oder eine Kombination, dazu regelmäßig muskelkräftigende Aktivität. Zwei Sätze aus den Leitlinien sind wichtiger als jede Zone: Etwas Bewegung ist besser als keine, und mehr ist besser.
Ein Beispiel, das diese Vorgaben und die Befunde oben verbindet:
| Tag | Einheit | Dauer |
|---|---|---|
| Montag | Zone 2: zügig gehen, Rad oder Laufen im Sprechtempo | 45 Minuten |
| Dienstag | Krafttraining | 30 bis 45 Minuten |
| Mittwoch | Zone 2 | 45 Minuten |
| Freitag | Intervalle: nach dem Aufwärmen mehrere intensive Abschnitte mit Pausen | 30 Minuten |
| Samstag | Krafttraining | 30 bis 45 Minuten |
| Sonntag | Zone 2, länger | 60 bis 90 Minuten |
Das ergibt 150 bis 180 Minuten moderate Ausdauerbewegung, einen Intervalltermin und zwei Krafteinheiten, zusammen rund vier bis fünf Stunden. Von den 30 Minuten des Intervalltermins sind nur die schnellen Abschnitte intensiv, mit Aufwärmen und Pausen meist deutlich weniger als die Hälfte. Das Mindestziel der WHO ist schon mit den moderaten Einheiten erreicht. Es ist ein Beispiel, kein geprüftes Programm.
Für den Einstieg genügt weniger: dreimal 30 Minuten zügiges Gehen im Sprechtempo und eine Krafteinheit pro Woche, dann alle zwei bis drei Wochen eine Einheit verlängern oder eine dazunehmen.
Studienlage
| Ergebnis | Wer und wie viele | Vergleich | Dauer | Gemessen | Studientyp | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Zone 2 liegt unmittelbar unter der ersten Laktat- oder Atemschwelle; die erwarteten Anpassungen sind nicht auf diese Zone beschränkt und entstehen auch knapp darüber und darunter | 14 Sportwissenschaftler und Trainer; keine Studienteilnehmer | entfällt | entfällt | Definition, Trainingsformen, erwartete Anpassungen | Expertenmeinung | Sitko et al. 2025 |
| Kein Beleg für Zone 2 als beste Intensität für Mitochondrien und Fettverbrennung; bei wenig Trainingszeit sprechen die Daten für höhere Intensitäten. Keine zusammengefasste Zahl | keine eigenen Teilnehmer | Zone 2 gegen höhere Intensitäten in veröffentlichten Studien | entfällt | Mitochondrien, Fettverbrennung, Ausdauerleistung | Erzählende Übersichtsarbeit ohne systematische Suche | Storoschuk et al. 2025 |
| Laktatschwelle bei 60 bis 90 % des Maximalpulses und 45 bis 74 % der VO2max; bei Frauen bei einem höheren Anteil als bei Männern | 100 Personen, 46 Frauen und 54 Männer | feste Prozentwerte gegen individuell gemessene Schwellen | einmalige Tests | Laktatschwelle und maximales Laktatgleichgewicht im Stufentest | Labormessung | Iannetta et al. 2020 |
| Maximalpuls gleich 208 minus 0,7 mal Alter; Zusammenhang mit dem Alter r = minus 0,90 | 351 Studien mit 18.712 Personen, Bestätigung im Labor an 514 Gesunden | Vergleich mit der Faustformel 220 minus Alter | entfällt | gemessener Maximalpuls | Metaanalyse mit Laborbestätigung | Tanaka et al. 2001 |
| Bequemes Sprechen ist unterhalb der Atem- oder Laktatschwelle wahrscheinlich möglich, darüber nicht; gleich bei Gehen, Laufen und Radfahren. Keine zusammengefasste Zahl | Gesunde, Sportler und Herz-Kreislauf-Patienten in den ausgewerteten Arbeiten | Sprechtest gegen gemessene Schwellen | entfällt | Übereinstimmung mit den Schwellen | Übersichtsarbeit | Reed et al. 2014 |
| Zeitfahrleistung mit polarisiertem Training besser (Effektstärke minus 0,66; minus 1,17 bis minus 0,15) | 3 Studien an Ausdauersportlern mit über 2 Jahren Trainingserfahrung und VO2max über 50; Teilnehmerzahl in der Zusammenfassung nicht angegeben | polarisiertes Training gegen Schwellentraining | unterschiedlich | Zeitfahren | Metaanalyse randomisierter Studien; Studienqualität 4 bis 5 von 10 Punkten | Rosenblat et al. 2019 |
In Klammern steht, wo angegeben, das 95-%-Konfidenzintervall.
Österreich
Vor dem Einstieg: Blutdruck, Blutzucker und Blutfette liefert die kostenlose Gesundenuntersuchung. Ein Belastungs-EKG ist dort nicht enthalten; als Wunschleistung nennt die Ärztekammer Salzburg dafür 106 Euro.
Häufige Fragen
Was ist Zone 2 Training?
Ausdauertraining mit niedriger Intensität, knapp unter der ersten Laktat- oder Atemschwelle. Praktisch heißt das: Man kann sich noch in ganzen Sätzen unterhalten. Es kann als gleichmäßige Dauereinheit, mit wechselndem Tempo oder in Intervallen gemacht werden.
Wie berechne ich meinen Zone-2-Puls?
Genau geht es nur mit einem Laktat- oder Atemgastest. Als grobe Annäherung dient die maximale Herzfrequenz, geschätzt mit 208 minus 0,7 mal Lebensalter. Die erste Schwelle lag in einer Studie aber je nach Person zwischen 60 und 90 Prozent dieses Werts. Verlässlicher ist der Sprechtest.
Was ist der Sprechtest?
Solange man bequem sprechen kann, liegt die Belastung mit hoher Wahrscheinlichkeit unter der Atem- oder Laktatschwelle. Wird das Sprechen mühsam, ist sie überschritten. Der Test ist nach einer Übersichtsarbeit gültig und zuverlässig und funktioniert beim Gehen, Laufen, Radfahren und am Crosstrainer gleichermaßen.
Wie oft und wie lange Zone 2 pro Woche?
Eine geprüfte Mindestdosis speziell für Zone 2 gibt es nicht. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive Ausdauerbewegung pro Woche, dazu Krafttraining. Zone 2 zählt zur moderaten Bewegung.
Ist Zone 2 besser als Intervalltraining?
Nach der Übersichtsarbeit von 2025 nicht. Für Mitochondrien und Herz-Kreislauf-Fitness sind höhere Intensitäten mindestens so wirksam, und bei wenig Trainingszeit sind sie wichtiger. Zone 2 hat ihren Platz, wenn viele Stunden trainiert werden, weil sich große Umfänge nur locker durchhalten lassen.
Verbrennt man in Zone 2 mehr Fett?
Die Behauptung, Zone 2 sei die beste Intensität, um die Fettverbrennung zu trainieren, wird von der Übersichtsarbeit von 2025 ausdrücklich nicht gestützt. Sie findet keinen Beleg dafür, dass Zone 2 die Fähigkeit zur Fettoxidation besser steigert als andere Intensitäten. Davon zu trennen ist, wie viel Fett während einer Einheit verbrannt wird und ob jemand auf Dauer Körperfett verliert: Dafür zählt die Energiebilanz über Wochen.
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