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Grundlagen

Was ist Longevity?

Von Martin Höllinger· Stand · Lesezeit 13 Minuten

Longevity ist das englische Wort für Langlebigkeit, gesprochen „lon-DSCHE-wi-ti“. Gemeint ist heute meist nicht das möglichst lange, sondern das möglichst lange gesunde Leben. Der Unterschied lässt sich für Österreich beziffern: Nach der letzten gemeinsamen Berechnung von Statistik Austria verbringen Frauen von 84,0 Jahren Lebenserwartung 64,7 in guter oder sehr guter Gesundheit, Männer von 79,3 Jahren 63,1. Seither ist die Lebenserwartung gestiegen, 2025 lag sie bei 84,6 und 80,1 Jahren. Das sind statistische Größen für die Bevölkerung, keine Vorhersage für ein einzelnes Kind.

Um diese Lücke geht es. Die größten Unterschiede in den Studien an Menschen hängen nicht an Kapseln oder Infusionen: Wer nie geraucht hat, lebt im Schnitt mehr als zehn Jahre länger als ein Raucher, und fünf Lebensstilfaktoren zusammen stehen in zwei großen US-Kohorten für 12 bis 14 Jahre Unterschied in der Lebenserwartung ab 50.

Bedeutung, Aussprache und Herkunft des Wortes

Longevity ist englisch und heißt Langlebigkeit. Das Wort geht auf das lateinische longaevus zurück, zusammengesetzt aus longus (lang) und aevum (Lebensalter). Ausgesprochen wird es mit Betonung auf der zweiten Silbe, „lon-DSCHE-wi-ti“; das Cambridge Dictionary notiert /lɒnˈdʒev.ə.ti/. Das g klingt wie das dsch in Dschungel.

Im Deutschen hat das Wort eine engere Bedeutung angenommen als im Englischen. Dort bezeichnet es jede lange Lebens- oder Nutzungsdauer, auch die eines Autos. Hier steht es für ein Konzept: Altern nicht nur hinnehmen, sondern die Jahre in Gesundheit verlängern. Zwei Begriffe sind dafür wichtig.

  • Lebensspanne (englisch lifespan): die Zahl der gelebten Jahre.
  • Gesundheitsspanne (englisch healthspan): die Zahl der Jahre ohne chronische Krankheit und ohne Einschränkungen im Alltag.

Die Forschungsrichtung dahinter heißt Geroscience. Ihre Hypothese: Wer die biologischen Vorgänge des Alterns verlangsamt, schiebt nicht eine Krankheit hinaus, sondern mehrere zugleich, weil Herzinfarkt, Diabetes, Demenz und die meisten Krebsarten dasselbe größte Risiko teilen, nämlich das Alter.

Lebenserwartung und gesunde Jahre in Österreich

Die Lebenserwartung in Gesundheit berechnet Statistik Austria aus der Sterbetafel und der Gesundheitsbefragung. Die letzte Berechnung verbindet die Sterbetafel 2018 mit der Befragung 2019 und teilt die Lebenserwartung danach auf, wie die Befragten ihre Gesundheit einschätzen.

Balkengrafik für Österreich: Frauen 84,0 Jahre Lebenserwartung, davon 64,7 in sehr guter oder guter, 14,4 in mittelmäßiger und 4,9 in schlechter Gesundheit; Männer 79,3 Jahre, davon 63,1, 11,9 und 4,3Balkengrafik für Österreich: Frauen 84,0 Jahre Lebenserwartung, davon 64,7 in sehr guter oder guter, 14,4 in mittelmäßiger und 4,9 in schlechter Gesundheit; Männer 79,3 Jahre, davon 63,1, 11,9 und 4,3
Frauen Männer
Lebenserwartung bei der Geburt 84,0 Jahre 79,3 Jahre
davon in sehr guter oder guter Gesundheit 64,7 Jahre 63,1 Jahre
davon in mittelmäßiger Gesundheit 14,4 Jahre 11,9 Jahre
davon in schlechter oder sehr schlechter Gesundheit 4,9 Jahre 4,3 Jahre
Anteil der Jahre in guter Gesundheit 77 % 80 %

Quelle: Statistik Austria, Sterbetafel 2018 und Gesundheitsbefragung 2019. Alle Zeilen stammen aus derselben Berechnung.

Die Lebenserwartung selbst ist seither gestiegen: Für 2025 weist Statistik Austria 84,58 Jahre für Frauen und 80,14 Jahre für Männer aus. Eine neuere Aufteilung nach Gesundheitszustand gibt es noch nicht, die beiden Zahlenreihen lassen sich deshalb nicht verrechnen.

Drei Dinge gehören zu dieser Zahl dazu. „Gute Gesundheit“ ist hier eine Selbsteinschätzung: Gezählt werden die Jahre, in denen Befragte ihre Gesundheit als gut oder sehr gut bezeichnen. Die übrigen Jahre sind nicht durchgehend Jahre der Pflegebedürftigkeit: Der größere Teil davon, 14,4 Jahre bei Frauen und 11,9 bei Männern, entfällt auf „mittelmäßige“ Gesundheit, nur 4,9 und 4,3 Jahre auf schlechte. Und Frauen leben zwar 4,7 Jahre länger als Männer, haben aber nur 1,6 Jahre mehr in guter Gesundheit. Die Zahlen beschreiben die Bevölkerung im Durchschnitt; wie viele Jahre eine einzelne Person gesund bleibt, sagen sie nicht.

Warum der Körper altert: die zwölf Hallmarks of Aging

Die meistzitierte Ordnung der Alternsbiologie stammt von Carlos López-Otín und Kollegen. 2013 beschrieben sie neun Kennzeichen des Alterns, in der Neufassung in Cell 2023 sind es zwölf. Aufgenommen wird ein Vorgang nur, wenn er drei Bedingungen erfüllt: Er tritt mit dem Alter auf, seine experimentelle Verstärkung beschleunigt das Altern, und seine Abschwächung bremst es.

Kennzeichen Was dabei geschieht
Genomische Instabilität Schäden am Erbgut häufen sich, die Reparatur lässt nach
Telomerverkürzung Die Schutzkappen der Chromosomen werden mit den Zellteilungen kürzer
Epigenetische Veränderungen Das Muster, welche Gene aktiv sind, verschiebt sich; darauf beruhen die epigenetischen Uhren
Verlust der Proteostase Fehlgefaltete Proteine werden schlechter erkannt und abgebaut
Gestörte Makroautophagie Das Recycling beschädigter Zellbestandteile lässt nach
Deregulierte Nährstoffsensoren Signalwege wie Insulin, mTOR und AMPK reagieren verändert auf Nahrung und Fasten
Mitochondriale Dysfunktion Die Kraftwerke der Zelle liefern weniger Energie
Zelluläre Seneszenz Zellen teilen sich nicht mehr, bleiben aber im Gewebe und senden Entzündungssignale
Stammzellerschöpfung Gewebe erneuert sich langsamer
Veränderte Zellkommunikation Die Signale zwischen Zellen und Organen verändern sich
Chronische Entzündung Eine niedrige Dauerentzündung ohne Erreger, oft Inflammaging genannt
Dysbiose Die Zusammensetzung der Darmflora verschiebt sich

Gestörte Makroautophagie, chronische Entzündung und Dysbiose sind 2023 dazugekommen; die Autophagie war vorher Teil der Proteostase.

Fast jedes Longevity-Produkt beruft sich auf eine dieser Zeilen: Spermidin auf die Autophagie, NAD-Vorstufen auf die Mitochondrien, Senolytika auf die Seneszenz. Das Schema erklärt, warum ein Stoff untersucht wird. Es belegt nicht, dass er beim Menschen wirkt. Die Kriterien der Hallmarks stützen sich überwiegend auf Experimente an Hefe, Würmern, Fliegen und Mäusen, und der Weg von dort zu einem gesünderen Menschen mit 75 ist für kaum einen Wirkstoff in einer Studie gegangen worden. Wie groß die Lücke sein kann, zeigt das Beispiel Spermidin.

Wie viel die Gene bestimmen

Weniger, als die Familiengeschichte vermuten lässt, und mehr, als lange gedacht. Drei Schätzungen stehen nebeneinander.

  • Zwillingsstudien kommen auf 20 bis 25 Prozent Erblichkeit der Lebensdauer.
  • Ruby et al., Genetics 2018, werteten Stammbäume mit Hunderten Millionen historischer Personen aus. Angeheiratete Verwandte hatten fast so ähnliche Lebensdauern wie Blutsverwandte, weil Menschen Partner mit ähnlichem Hintergrund wählen. Um diesen Effekt bereinigt, lag die Erblichkeit unter 10 Prozent.
  • Shenhar et al., Science 2026, rechneten Todesfälle durch äußere Ursachen wie Unfälle und Infektionen heraus und kamen für die verbleibende, biologisch bedingte Sterblichkeit auf über 50 Prozent.

Die Zahlen widersprechen sich weniger, als es aussieht. Sie messen Verschiedenes: Die niedrigen Werte gelten für die tatsächliche Lebensdauer in Jahrgängen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, als Infektionen und Unfälle viele Leben früh beendeten. Der hohe Wert gilt für das Altern im engeren Sinn. Für die Praxis folgt aus allen dreien dasselbe: Hundertjährige Großeltern sind kein Freibrief, früh verstorbene Eltern kein Urteil.

Was die Lebenserwartung in Studien an Menschen verschiebt

Die folgenden Zahlen stammen aus Beobachtungsstudien. Sie zeigen, womit ein längeres Leben zusammenhängt, nicht, was es verursacht; wer nicht raucht, lebt auch sonst anders. Trotzdem sind es die belastbarsten Daten, die es gibt, weil niemand Menschen für 30 Jahre per Los zum Rauchen oder Nichtrauchen einteilen kann.

Faktor Ergebnis Studie
Rauchen Raucher verlieren mehr als 10 Jahre Lebenserwartung. Wer mit 35 bis 44 aufhört, gewinnt etwa 9 Jahre zurück, mit 45 bis 54 etwa 6 Jha et al. 2013, 202.248 Erwachsene, USA
Fünf Faktoren zusammen Lebenserwartung ab 50: Frauen 43,1 statt 29,0 Jahre (plus 14,0), Männer 37,6 statt 25,5 Jahre (plus 12,2) Li et al. 2018, 123.219 Personen, bis 34 Jahre
Dieselben fünf, gesunde Jahre Jahre ab 50 ohne Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankung und Diabetes: Frauen 34,4 statt 23,7, Männer 31,1 statt 23,5 Li et al. 2020, 111.562 Personen
Vier Faktoren, Europa Bester gegen schlechtesten Lebensstil: 9,9 krankheitsfreie Jahre mehr bei Männern, 9,4 bei Frauen Nyberg et al. 2020, 116.043 Personen, 12 Kohorten
Ausdauerleistung Niedrigste gegen höchste Fitnessgruppe: 5-fach höheres Sterberisiko. Unterdurchschnittlich gegen überdurchschnittlich: 1,41-fach Mandsager et al. 2018, 122.007 Patienten
Griffkraft Je 5 kg weniger Griffkraft 16 Prozent höheres Sterberisiko Leong et al. 2015, 139.691 Personen, 17 Länder
Soziale Beziehungen Starke soziale Einbindung: Chancenverhältnis (Odds Ratio) für das Überleben 1,50. Das ist kein um 50 Prozent längeres Leben Holt-Lunstad et al. 2010, 148 Studien, 308.849 Personen
Schlafdauer Kurzer Schlaf 12 Prozent, langer Schlaf 30 Prozent höheres Sterberisiko Cappuccio et al. 2010, 1.382.999 Personen

Die fünf Faktoren bei Li et al.: nie geraucht, Body-Mass-Index 18,5 bis 24,9, mindestens 30 Minuten Bewegung am Tag, mäßiger Alkoholkonsum, Ernährungsqualität in den oberen 40 Prozent.

Vier Anmerkungen, ohne die die Tabelle falsch gelesen wird.

Die Fitnessstudie untersuchte Patienten, die zu einem Belastungstest überwiesen worden waren, keine Zufallsstichprobe. Die Zahlen lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf die Gesamtbevölkerung übertragen. Bemerkenswert bleibt, dass unterdurchschnittliche Fitness dort mit demselben Risikoaufschlag verbunden war wie Rauchen (jeweils 1,41) und dass kein oberes Ende des Nutzens zu sehen war.

Mäßiger Alkoholkonsum zählt in den US-Kohorten als günstiger Faktor. Das ist umstritten: Abstinente Vergleichsgruppen enthalten oft Menschen, die aus Krankheitsgründen aufgehört haben, was mäßiges Trinken besser aussehen lässt, als es ist.

Griffkraft ist ein Marker. Sie steht für die Muskelkraft des ganzen Körpers. Dass gezieltes Training der Hand das Leben verlängert, ist nicht belegt. Ob gezieltes Krafttraining die Sterblichkeit senkt, hat die Studie nicht geprüft, und die Autoren schreiben das ausdrücklich.

Beim Schlaf ist der Zusammenhang mit langer Schlafdauer stärker als mit kurzer. Das bedeutet nicht, dass langes Schlafen schadet: Viele Krankheiten machen müde, lange bevor sie erkannt werden.

Für die Ernährung gibt es eine Modellrechnung statt einer Kohorte. Fadnes et al., PLoS Medicine 2022, schätzten aus Metaanalysen, was die Umstellung von einer typischen westlichen Kost auf eine mit viel Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen und wenig rotem und verarbeitetem Fleisch bringen würde: 10,7 Jahre für Frauen und 13,0 für Männer bei Beginn mit 20, 8,0 und 8,8 Jahre bei Beginn mit 60. Das sind Hochrechnungen unter der Annahme, dass die Umstellung lebenslang durchgehalten wird, keine gemessenen Lebensjahre.

Die Säulen: wie viele es sind und was hinter der Zahl steckt

Eine der häufigsten Suchfragen lautet, was die sechs Säulen der Longevity sind. Eine festgelegte Liste gibt es nicht. Eine steirische Therme zählt fünf und setzt das Thermalwasser an die erste Stelle, eine Versandapotheke zeichnet statt Säulen eine Pyramide. Die Zahl richtet sich nach dem Angebot.

Ordnet man stattdessen nach den Studien an Menschen, ergibt sich grob diese Reihenfolge:

  1. Nicht rauchen. Kein anderer einzelner Faktor ist mit mehr Lebensjahren verbunden.
  2. Ausdauer und Kraft. Fitness und Muskelkraft hängen in großen Kohorten enger mit der Sterblichkeit zusammen als die meisten Laborwerte.
  3. Ernährungsmuster und Körpergewicht.
  4. Schlaf und Stress.
  5. Soziale Beziehungen. Die Metaanalyse von Holt-Lunstad nennt den Effekt vergleichbar mit etablierten Risikofaktoren der Sterblichkeit. Es ist der Faktor, der sich am wenigsten kaufen lässt.
  6. Messen und Vorsorge: Blutdruck, Blutfette, Blutzucker früh kennen und behandeln.

Was in dieser Liste fehlt, sind Nahrungsergänzungsmittel, Infusionen, Kältekammern und Rotlicht. Nicht, weil sie wirkungslos sein müssen, sondern weil die Studien an Menschen dazu bisher kleiner und kürzer sind als die Kohorten oben und selten Lebensjahre messen.

Was nicht oder noch nicht belegt ist

Kalorienrestriktion. In Tierversuchen der zuverlässigste Weg, das Leben zu verlängern. Am Menschen gibt es eine kontrollierte Studie: In CALERIE sollten 220 normalgewichtige Erwachsene zwei Jahre lang 25 Prozent weniger Kalorien essen. Erreicht wurden im Mittel 11,9 Prozent. Eine Auswertung in Nature Aging 2023 fand, dass sich das Alterungstempo nach einem epigenetischen Messverfahren (DunedinPACE) verlangsamte, während andere epigenetische Uhren wie PhenoAge und GrimAge keine signifikante Veränderung zeigten. Die Autoren nennen den Effekt klein. Ob daraus weniger Krankheit oder ein längeres Leben wird, hat die Studie nicht gemessen.

Rapamycin. Der Wirkstoff verlängerte in der Mäusestudie von Harrison et al., Nature 2009, die Lebensspanne um 14 Prozent bei Weibchen und 9 Prozent bei Männchen, obwohl die Tiere ihn erst im Alter bekamen. Beim Menschen ist Rapamycin ein verschreibungspflichtiges Medikament, das nach Organtransplantationen das Immunsystem dämpft. Eine Studie, die bei gesunden Menschen ein längeres Leben zeigt, gibt es nicht.

Epigenetische Alterstests. Sie messen Muster am Erbgut, die mit dem Alter und mit dem Sterberisiko zusammenhängen. CALERIE zeigt das Problem: mehrere Uhren, dieselben Blutproben, unterschiedliche Antworten.

Radikale Lebensverlängerung. Olshansky et al., Nature Aging 2024, werteten die Sterbedaten der acht langlebigsten Länder sowie Hongkongs und der USA von 1990 bis 2019 aus. Der Anstieg der Lebenserwartung hat sich seit 1990 verlangsamt. Nach ihrer Schätzung werden höchstens 15 Prozent der Frauen und 5 Prozent der Männer 100 Jahre alt, solange sich die biologische Alterung nicht deutlich bremsen lässt. Unumstritten ist das nicht: Ein Preprint von 2025 hält dagegen, dass die Lebenserwartung des jeweils führenden Landes seit 1840 weiter nahezu linear steigt.

Studienlage

Ergebnis Wer und wie viele Vergleich Dauer Gemessen Studientyp Quelle
Sterblichkeit bei Rauchern rund dreifach (Frauen 3,0; Männer 2,8); mehr als 10 Jahre geringere Lebenserwartung 202.248 Erwachsene ab 25 aus einer US-Befragung; 15.715 Todesfälle Raucher gegen Nie-Raucher, keine Zuteilung Befragung 1997 bis 2004, Todesfälle bis 2006 Tod aus jeder Ursache Beobachtung, Kohorte Jha et al. 2013
Lebenserwartung ab 50 mit allen fünf günstigen Faktoren: Frauen 43,1 statt 29,0 Jahre, Männer 37,6 statt 25,5 123.219 Angehörige von Gesundheitsberufen aus zwei US-Kohorten fünf gegen null günstige Lebensstilfaktoren, keine Zuteilung bis zu 34 Jahre Lebenserwartung, aus Sterberaten errechnet Beobachtung mit Modellrechnung Li et al. 2018
Jahre ab 50 ohne Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankung und Diabetes: Frauen 34,4 (33,1 bis 35,5) statt 23,7 (22,6 bis 24,7), Männer 31,1 statt 23,5 111.562 Personen aus denselben zwei Kohorten vier oder fünf gegen null günstige Faktoren, keine Zuteilung bis zu 34 Jahre krankheitsfreie Lebenserwartung Beobachtung, Kohorte Li et al. 2020
Niedrigste gegen höchste Fitnessgruppe: Sterblichkeit 5,04-fach (4,10 bis 6,20) 122.007 Patienten, die zum Belastungstest überwiesen wurden, im Mittel 53 Jahre Fitnessgruppen nach Leistung auf dem Laufband, keine Zuteilung 8,4 Jahre (Median) Tod aus jeder Ursache; Fitness aus der Leistung geschätzt Beobachtung, rückblickende Kohorte an Patienten Mandsager et al. 2018
Je 5 kg weniger Griffkraft 16 % höheres Sterberisiko 139.691 Erwachsene von 35 bis 70 aus 17 Ländern geringere gegen höhere Griffkraft, keine Zuteilung 4,0 Jahre (Median) Tod aus jeder Ursache und Herz-Kreislauf-Ereignisse Beobachtung, Kohorte Leong et al. 2015
Starke soziale Einbindung: Chancenverhältnis für das Überleben 1,50 (1,42 bis 1,59) 308.849 Personen in 148 Studien starke gegen schwache soziale Beziehungen, keine Zuteilung je nach Studie Überleben; Chancenverhältnis, keine Lebensjahre Metaanalyse von Beobachtungsstudien Holt-Lunstad et al. 2010
Kurzer Schlaf 12 %, langer Schlaf 30 % höheres Sterberisiko 1.382.999 Personen in 16 Studien; 112.566 Todesfälle kurze oder lange gegen mittlere Schlafdauer, keine Zuteilung 4 bis 25 Jahre Tod aus jeder Ursache Metaanalyse von Beobachtungsstudien Cappuccio et al. 2010
Umstellung von typischer westlicher Kost auf eine optimierte: rechnerisch 8 bis 13 Jahre mehr, je nach Alter beim Beginn keine eigenen Teilnehmer; Daten aus Metaanalysen und der Studie zur globalen Krankheitslast optimierte gegen typische Kost im Rechenmodell dauerhafte Umstellung angenommen geschätzte Lebenserwartung Modellrechnung Fadnes et al. 2022
DunedinPACE langsamer unter Kalorienreduktion; PhenoAge und GrimAge ohne gesicherte Veränderung 220 Erwachsene ohne Adipositas 25 % weniger Kalorien als Vorgabe, erreicht 11,9 %, gegen normale Kost 2 Jahre Epigenetische Uhren im Blut, keine Krankheiten Randomisiert; nachträgliche Auswertung Waziry et al. 2023
Lebensdauer plus 9 % bei Männchen und 14 % bei Weibchen genetisch gemischte Mäuse an drei Standorten Rapamycin im Futter ab 600 Tagen gegen normales Futter Lebensdauer Überleben Tiermodell Harrison et al. 2009
Zwölf Kennzeichen des Alterns keine eigenen Teilnehmer Zusammenschau veröffentlichter Befunde entfällt Einteilung der Alterungsvorgänge Übersichtsarbeit, überwiegend Tier- und Zelldaten López-Otín et al. 2023

In Klammern steht, wo angegeben, das 95-%-Konfidenzintervall.

Österreich

Die Ausgangslage: 84,0 Jahre Lebenserwartung für Frauen, davon 64,7 in guter Gesundheit; 79,3 Jahre für Männer, davon 63,1 (Sterbetafel 2018, Gesundheitsbefragung 2019). Zwischen den Bundesländern liegen große Unterschiede: Frauen verbringen in Tirol 71,5 Jahre in guter Gesundheit, in Wien 62,6; Männer in Salzburg 67,5, im Burgenland 60,4.

Was die Kasse zahlt: Die Vorsorgeuntersuchung steht allen Personen ab 18 mit Wohnsitz in Österreich einmal im Jahr kostenlos zu, auch ohne Krankenversicherung. Sie erfasst die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Blutdruck, Gewicht und Lebensgewohnheiten, misst den Blutzucker und umfasst die Krebsfrüherkennung. Auskunft gibt die Serviceline der Sozialversicherung unter 0800 501 522.

Was Selbstzahler finden: Unter dem Namen Longevity bieten in Österreich Internisten erweiterte Blutanalysen an, Thermen und Hotels mehrtägige Programme, eigene Zentren Infusionen, Kälte- und Sauerstoffanwendungen. Nichts davon ist Kassenleistung.

Häufige Fragen

Was bedeutet Longevity auf Deutsch?

Longevity heißt Langlebigkeit. Das Wort kommt vom lateinischen longaevus, zusammengesetzt aus longus (lang) und aevum (Lebensalter). In der Medizin und in der Werbung ist heute meist die Gesundheitsspanne gemeint, also die Zahl der Jahre ohne chronische Krankheit und ohne Einschränkungen im Alltag.

Wie spricht man Longevity aus?

Mit Betonung auf der zweiten Silbe: lon-DSCHE-wi-ti. Das g wird wie das dsch in Dschungel gesprochen, nicht wie in lang. Die britische Lautschrift lautet lɒnˈdʒevəti, die amerikanische lɑːnˈdʒevəti.

Was sind die 6 Säulen der Longevity?

Eine verbindliche Liste gibt es nicht, die Zahl wechselt je nach Anbieter. Meist genannt werden Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stressbewältigung, soziale Beziehungen und medizinische Vorsorge. Mit Studien an Menschen unterlegt sind vor allem Nichtrauchen, körperliche Fitness, Muskelkraft, Ernährungsmuster, Schlafdauer und soziale Einbindung.

Was steckt hinter dem Longevity-Trend?

Zwei Entwicklungen. Zwischen Lebenserwartung und gesunden Jahren liegt eine große Lücke, in Österreich 16 bis 19 Jahre. Und die Alternsforschung beschreibt seit 2013 zelluläre Mechanismen des Alterns, die sich im Tierversuch beeinflussen lassen. Daraus ist ein Markt für Tests, Präparate und Kuren entstanden, dessen Angebote sehr unterschiedlich gut belegt sind.

Was ist eine Longevity-Therapie?

Der Begriff ist nicht geschützt. Angeboten werden darunter Blutanalysen, Infusionen, Kälte- und Sauerstoffanwendungen, Nahrungsergänzung und Lebensstilberatung. Ein Medikament, das zur Behandlung des Alterns zugelassen wäre, gibt es nicht. Ob ein einzelnes Angebot etwas bewirkt, hängt an der Studienlage zu genau dieser Maßnahme.

Was ist Longevity-Training?

Training mit dem Ziel, Ausdauer und Muskelkraft bis ins Alter zu erhalten, weil beide in großen Kohorten eng mit der Sterblichkeit zusammenhängen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen 150 bis 300 Minuten moderate Ausdauerbewegung pro Woche und an mindestens zwei Tagen Krafttraining.

Ist ein langes Leben genetisch bedingt?

Zum Teil, und die Schätzungen gehen auseinander. Zwillingsstudien kommen auf 20 bis 25 Prozent Erblichkeit der Lebensdauer, eine Stammbaumanalyse von 2018 auf unter 10 Prozent. Eine Arbeit in Science von 2026 kommt auf über 50 Prozent, wenn Todesfälle durch Unfälle und Infektionen herausgerechnet werden. Einig sind sich die Arbeiten darin, dass ein erheblicher Teil nicht in den Genen liegt.

Kann man 120 Jahre alt werden?

Der älteste dokumentierte Mensch, die Französin Jeanne Calment, wurde 122. Für die allermeisten ist das außer Reichweite: Eine Analyse der Sterbedaten aus den zehn langlebigsten Ländern von 2024 schätzt, dass höchstens 15 Prozent der Frauen und 5 Prozent der Männer das Alter von 100 Jahren erreichen werden, solange sich die biologische Alterung nicht deutlich verlangsamen lässt. Der Anstieg der Lebenserwartung hat sich seit 1990 abgeflacht.

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    Bruneck-Studie, SmartAge, Grazer Forschung, Gehaltstabelle mit 20 Lebensmitteln, 6 mg Höchstmenge für den zugelassenen Weizenkeimextrakt, Krebsfrage.

  • Training

    Zone 2, VO2max, Krafttraining ab 50, Griffkraft.

  • Schlaf und Stress

    Cortisol, HRV, Tiefschlaf, Atemübungen.

  • Diagnostik

    Blutwerte, Gesundenuntersuchung, HbA1c, Lipoprotein(a), CRP, Ferritin, biologisches Alter.